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Ankergeschirr auf der Segelyacht: Ankertypen, Kette und Leine

Von Redaktion toernfinder.de · Aktualisiert am 25.10.2026 · 8 Min. Lesezeit
Boote & TechnikSegelyacht vor Anker in einer ruhigen Bucht

Ob in der Bucht über Nacht oder beim kurzen Badestopp: Das Ankergeschirr entscheidet mit darüber, ob eine Yacht ruhig liegt oder über den Grund rutscht. Hier geht es um die gängigen Ankertypen, um Kette, Leine und Zubehör und darum, wie viel Kette du im Verhältnis zur Wassertiefe steckst.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Zum Ankergeschirr gehören Anker, Schäkel, gegebenenfalls ein Wirbel, Kette oder Kette mit Leine, die Ankerwinsch mit passender Kettennuss, ein Kettenstopper und ein Ruckdämpfer.
  • Jeder Ankertyp hat seinen Lieblingsgrund: Sand und fester Schlick halten meist gut, Kraut und Fels sind für viele Anker schwierig.
  • Als Untergrenze gilt etwa 3:1 zwischen gesteckter Länge und Tiefe, üblich sind rund 5:1, bei mehr Wind 7:1 bis 8:1. Gemessen wird von der Bugrolle bis zum Grund.
  • Kettenstärke und Nuss der Winsch müssen zusammenpassen. Maßgeblich ist die Tabelle des Winschherstellers.

Woraus besteht ein Ankergeschirr?

Ein Ankergeschirr ist die ganze Verbindung vom Meeresgrund bis zum Vorschiff, nicht nur der Anker. Jedes Teil muss zur Last passen, denn die schwächste Stelle bestimmt, was das Ganze aushält.

Anker mit Kette am Bugbeschlag einer Yacht

Vom Grund aus folgen Anker, Schäkel, eventuell ein Wirbel, Kette und oft eine Leine, dann Winsch, Kettenstopper und bei reiner Kette ein Ruckdämpfer.

Wie hält ein Anker?

Ein Anker hält nicht durch sein Gewicht, sondern weil er sich eingräbt und Boden vor sich herschiebt. Das gelingt nur, wenn der Zug möglichst flach am Grund ansetzt.

Zeigt die Kette steil nach oben, hebelt sie die Spitze aus dem Boden. Moderne Anker unterscheiden sich vor allem darin, wie zuverlässig sie in die richtige Lage kommen und wie sie reagieren, wenn der Wind dreht.

Welche Ankertypen gibt es auf Segelyachten?

Auf Fahrtenyachten findest du vor allem Pflugschar-, Bügel- und Schaufel-, Klauen- und Plattenanker. Stockanker sind selten geworden. Markennamen stehen hier nur als Beispiel für die Bauart.

Pflugscharanker mit Gelenk (CQR-Bauart)

Der klassische Pflugscharanker hat einen beweglich angelenkten Schaft und eine Flunke in Form einer Pflugschar, die sich beim Einfahren in den Grund furcht. In Sand und Schlick kann er gut halten. Er braucht aber die richtige Lage auf dem Grund, um zu fassen, das Gelenk verschleißt, und in dichtem Kraut fasst er nicht immer zuverlässig.

Deltaanker mit festem Schaft

Der Deltaanker ist eine Pflugschar mit starrem Schaft und beschwerter Spitze. Durch den tiefen Schwerpunkt richtet er sich auf dem Grund auf und rutscht beim Fieren von selbst von der Bugrolle.

Bügelanker und neue Schaufelanker

Bügelanker haben eine gewölbte, schaufelförmige Flunke mit scharfer Spitze und einen Rollbügel darüber. Der Bügel dreht den Anker beim Aufsetzen so, dass die Spitze nach unten zeigt. Ein Beispiel für diese Bauart ist der Rocna. Es gibt auch Schaufelanker ohne Bügel, die sich über Ballast in der Spitze aufrichten. Laut Herstellerangaben eignen sich solche Anker für Sand, Schlick, Lehm und Kraut. Fels ist auch für sie kein Spezialgebiet, und in zähem Schlick oder dichtem Kraut kann sich ein Bügel zusetzen.

Klauenanker (Bruce-Bauart)

Der Klauenanker hat drei breite Klauen und keine beweglichen Teile. Er kommt auf sandigem und steinigem Grund meist zurecht, im weichen Schlick weniger, und richtet sich nach dem Ausbrechen meist wieder auf. Ohne passenden Bugbeschlag ist er schwer zu verstauen. Bezogen auf sein Gewicht hält er eher wenig und fällt deshalb größer aus. Das Original wird nicht mehr hergestellt, Nachbauten sind verbreitet.

Plattenanker (Danforth-Bauart, auch aus Aluminium)

Plattenanker haben zwei große, flache Flunken, die um einen Querstock schwenken. In Sand und Schlick halten sie gut und lassen sich flach verstauen. Bei manchen Aluminiumausführungen ist der Flunkenwinkel für weichen Schlick verstellbar. Auf Kraut, hartem Sand und Fels können die Flunken über den Grund gleiten, und bei starken Winddrehern bricht ein Plattenanker leicht aus. Viele nutzen ihn deshalb als Zweit- oder Heckanker.

Stockanker (Admiralitätsanker)

Beim Stockanker sitzt quer zu den Armen ein langer Stock. Er kippt den Anker so, dass sich ein Arm in den Boden dreht. Auf modernen Fahrtenyachten ist diese Form kaum noch zu finden.

Welcher Anker passt zu welchem Grund?

Die Übersicht ist eine allgemeine Einschätzung. Wie gut ein Anker hält, hängt im Einzelfall von Grund, Gewicht und Einfahren ab.

Ankertyp Guter Grund Vorteile Nachteile
Pflugschar mit Gelenk Sand, Schlick kann in diesen Böden gut halten braucht die richtige Lage zum Fassen, in dichtem Kraut unsicher, Gelenk verschleißt
Delta (fester Schaft) Sand, Schlick richtet sich auf, läuft selbst von der Rolle, kein Gelenk –
Bügel- und Schaufelanker Sand, Schlick, Lehm, Kraut kommt über Bügel oder Ballast in die Eindringlage Bügel kann sich in zähem Schlick oder Kraut zusetzen, kein Felsanker
Klaue Sand, steiniger Grund keine beweglichen Teile, richtet sich nach dem Ausbrechen meist wieder auf wenig Haltekraft je Kilo, schwach in weichem Schlick, ohne Bugbeschlag schwer zu verstauen
Plattenanker Sand, Schlick hält in diesen Böden gut, flach verstaubar gleitet auf Kraut und Fels, bricht bei Winddrehern leicht aus

Kette oder Kette mit Leine?

Reine Kette widersteht dem Scheuern an Steinen und legt sich flach auf den Grund. Kette mit anschließender Leine spart Gewicht im Bug und federt Lastspitzen ab. Der Kettenvorlauf hilft dabei, den Zug am Anker flach zu halten.

Ganz ohne Kette sollte kein Ankergeschirr auskommen, denn ein Kettenvorlauf schützt die Leine am Grund vor Abrieb. Fahrtenyachten haben meist deutlich mehr Kette an Bord, viele liegen ganz an Kette. Als Leine eignet sich Nylon, weil es sich stark dehnt.

Wer an reiner Kette liegt, verliert diese Federwirkung. Dann gehört ein Ruckdämpfer aus Nylon dazu, der an der Kette angeschlagen und an einer Klampe belegt wird. Vor Anker sollte die Last nie allein auf der Winsch liegen, sondern auf einem Kettenstopper oder einem kräftigen Belegpunkt.

Passt die Kette zur Kettennuss der Ankerwinsch?

Kettenstärke und Nuss der Winsch müssen zusammenpassen. Maßgeblich ist die Tabelle des Winschherstellers.

Dort steht für jede Nuss, welche Kettenausführungen sie aufnimmt, etwa Kette mit der Bezeichnung DIN 766 oder ISO 4565, bei manchen Winschen auch amerikanische Güteklassen. Beide Normbezeichnungen sind heute vor allem Tabellenbegriffe: Die ISO 4565 für Ankerketten kleiner Fahrzeuge wurde 2002 zurückgezogen, und die aktuelle Fassung der DIN 766 beschreibt Förderketten. In den Nusstabellen steht DIN 766 weiter für die Kette nach der früheren Ausgabe (Stand: Oktober 2026). Kaufst du neue Kette, nimm die Angabe der Nuss aus dem Handbuch der Winsch mit. Passt beides nicht zusammen, kann die Kette springen oder klemmen.

Schäkel, Wirbel und Ankerboje

Schäkel und Wirbel sind oft das schwächste Glied. Sie sollten möglichst mindestens so viel aushalten wie die Kette.

Schäkel

Bewährt hat sich der größte Schäkel, dessen Bolzen noch durch das Endglied der Kette passt, möglichst geschmiedet statt gegossen. Ein Schraubbolzen wird mit Draht aus Edelstahl oder Monel gegen Losdrehen gesichert.

Wirbel

Ein Wirbel verhindert, dass sich die Kette verdreht, ist aber anfällig für seitliche Last. Wenn du einen verwendest, sollte er für die Bruchlast der Kette ausgelegt sein, nicht nur für die Arbeitslast, und einige Kettenglieder vom Anker entfernt sitzen. Viele kommen ganz ohne Wirbel aus.

Ankerboje

Eine Ankerboje hängt an einer dünnen Leine, die am dafür vorgesehenen Auge des Ankers angeschlagen ist. Verhakt sich der Anker an Steinen oder Kabeln, lässt er sich darüber rückwärts herausziehen. Die Leine sollte etwas länger sein als die Wassertiefe und nicht schwimmen, damit sie keinem Propeller in die Quere kommt. Markiere die Boje deutlich, damit niemand sie für eine Muringboje hält.

Wie viel Kette steckst du beim Ankern?

Als Untergrenze gilt etwa 3:1 zwischen gesteckter Länge und Tiefe, üblich sind rund 5:1. Bei mehr Wind und Schwell, etwa wenn einer der typischen Winde im Mittelmeerraum aufkommt, gehst du auf 7:1 bis 8:1. Achte dabei immer auf den Schwojkreis.

Die Tiefe in dieser Rechnung ist nicht die Zahl auf dem Echolot. Gemessen wird vom Grund bis zur Bugrolle. Ein Beispiel: 6 Meter Wassertiefe plus 1,2 Meter Höhe der Bugrolle ergeben 7,2 Meter, bei 5:1 also rund 36 Meter Kette. Achte zugleich darauf, dass der Schwojkreis frei ist.

In sehr tiefem Wasser sinkt das nötige Verhältnis, weil das Gewicht der langen Kette den Zug flacher macht. Markierungen in festen Abständen oder ein Kettenzähler zeigen dir, wie viel draußen ist.

Wie gräbt sich der Anker ein?

Der Anker fällt, wenn das Boot steht oder gerade rückwärts zu treiben beginnt. Dann fierst du die Kette gleichmäßig, ohne sie auf dem Anker aufzuhäufen.

Danach setzt du die Kette fest, fährst mit wenig Gas rückwärts und erhöhst die Last langsam, bis die Kette gestreckt bleibt und das Boot nicht mehr zurückweicht. Zu viel Fahrt am Anfang lässt den Anker eher über den Grund springen. Peilungen an Land oder der Ankeralarm am Plotter zeigen dir danach, ob die Yacht liegen bleibt. Wie sich Ankern bei viel Wind anfühlt, beschreibt der Bericht Ankern bei Starkwind im Salzhaff.

Ankern üben und an Bord erleben

Ankern lernst du am besten an Bord, mit jemandem, der das Geschirr kennt. Auf Törnfinder findest du Skippertrainings, bei denen Manöver wie das Ankern gezielt geübt werden, und Mitsegeltörns, auf denen du Ankerbuchten und die Abläufe an Bord kennenlernst.

Häufige Fragen

Welcher Anker ist der beste für eine Segelyacht?

Einen Anker für jeden Grund gibt es nicht. Entscheidend sind der Grund im Revier, das Gewicht des Ankers und die Passform am Bug. Plattenanker sind stark in Sand und Schlick, für Fels ist kaum ein Anker gebaut.

Wie viel Kette brauche ich bei 5 Metern Wassertiefe?

Bei 5 Metern Wassertiefe und 1 Meter Höhe der Bugrolle rechnest du mit 6 Metern. Bei 5:1 sind das rund 30 Meter, bei mehr Wind mehr.

Brauche ich einen Wirbel am Anker?

Nicht unbedingt. Ohne Wirbel genügt ein ausreichend großer, gesicherter Schäkel.

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