Symbolbild
In der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2026 haben freiwillige Seenotretter der Station Timmendorf auf Poel im Salzhaff bei Rerik einen Einhandsegler von seiner rund neun Meter langen Yacht geholt. Der Anker hatte in Böen von 7 bis 8 Beaufort nicht mehr gehalten, das Boot trieb auf flaches Wasser mit Steinen zu. Der Fall zeigt, worauf es beim Ankern bei Starkwind ankommt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Ort: Salzhaff bei Rerik, südlich der Sandinsel Kieler Ort an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns.
- Der Segler hatte dort wegen des zunehmenden Windes Schutz gesucht; nach Mitternacht hielt der Anker nicht mehr.
- Die Seenotretter brauchten wegen des groben Seegangs rund anderthalb Stunden bis zum Einsatzort statt sonst etwa 20 Minuten.
- Der Segler kam gegen 3:30 Uhr in Timmendorf an Land, die festgekommene Yacht wurde am Sonntag freigeschleppt.
Was ist im Salzhaff passiert?
Ein Einhandsegler war auf dem Weg von Kirchdorf auf Poel nach Kühlungsborn, als der Wind über den Tag immer stärker wurde. Er lief ins Salzhaff und ging südlich von Kieler Ort vor Anker, so beschreibt es die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) in ihrer Einsatzmeldung.
Nach Mitternacht setzten stürmische Böen von 7 bis 8 Beaufort ein, das entspricht laut DGzRS bis zu 74 km/h. Der Anker hielt nicht mehr, die Yacht vertrieb. Weil sie auf Steine im Flachwasser zutrieb und leckzuschlagen drohte, alarmierte der Segler die Rettungsleitstelle See. Das Seenotrettungsboot der Freiwilligenstation lief um 0:40 Uhr aus.
Abschleppen war unter diesen Bedingungen nicht möglich. Die Besatzung sprach sich telefonisch mit dem Segler ab und übernahm ihn in einem kurzen Moment, in dem sich beide Boote nahe genug kamen. Böen und Regenschauer nahmen dabei immer wieder die Sicht. In Timmendorf wurde der Mann an die Wasserschutzpolizei übergeben. Am Sonntag halfen die Seenotretter auf deren Bitte, das inzwischen festgekommene Boot aus dem Salzhaff zu befreien. Danach konnte der Segler mit seiner Yacht einen nahe gelegenen Hafen anlaufen.
Ankern bei Starkwind: Worauf kommt es an?
Entscheidend ist, dass du die Entscheidung für Ankerplatz oder Hafen früh triffst, solange der Wind noch Spielraum lässt. Wer erst ankert, wenn es bereits stürmisch ist, hat kaum noch Reserven, falls der Anker nicht hält.
Wetterbericht und Warnungen laufend verfolgen
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) gibt für die deutsche Küste Starkwind- und Sturmwarnungen heraus. Du findest sie auf der Seite Binnensee- und Küstenwarnungen des DWD, dazu kommen die Seewetterberichte über Funk und Internet. Die DGzRS rät, Wetter und Seegang vor jedem Auslaufen zu prüfen und unterwegs weiter zu beobachten. Wenn sich die Lage verschlechtert, solltest du den Törn rechtzeitig abbrechen. Achte besonders auf die angesagten Böen, nicht nur auf den mittleren Wind.
Haltegrund und Platz in Lee prüfen
Ein Ankerplatz bei Starkwind sollte guten Haltegrund und vor allem Raum in Lee haben. Liegen hinter dir Flachwasser, Steine oder ein Ufer, bleibt dir kaum Zeit, wenn der Anker slippt. Seekarte und Hafenhandbuch zeigen dir, was unter dir liegt. Plane außerdem, wie du den Platz bei Nacht wieder verlassen würdest.
Kette, Schwojkreis und Ankerwache
Je mehr Wind erwartet wird, desto großzügiger solltest du die Kette stecken, sofern der Schwojkreis das zulässt. Wie viel genau sinnvoll ist, hängt von Wassertiefe, Ankergeschirr, Boot und Grund ab, eine feste Zahl passt nicht für jede Situation. Sobald der Anker eingefahren ist, merkst du dir Peilungen oder setzt einen Ankeralarm per GPS oder App. Bei angesagtem Starkwind lohnt eine echte Ankerwache. Einhand heißt das: Wecker stellen, regelmäßig kontrollieren und Position, Wind und Luftdruck im Logbuch festhalten.
Lieber früh in den Hafen
Ein geschützter Hafen ist bei Sturmwarnung fast immer die ruhigere Wahl als eine Ankerbucht. Die DGzRS empfiehlt, bei stürmischem Wetter im Hafen zu bleiben, und rät dazu, Ausweichhäfen schon bei der Törnplanung festzulegen.
Früh Hilfe holen
Hilfe rufen ist keine Niederlage. Die DGzRS bittet ausdrücklich darum, sich schon dann bei der Rettungsleitstelle See zu melden, wenn eine Lage gefährlich werden könnte, und nicht erst im akuten Notfall. Erreichbar ist die Rettungsleitstelle See (MRCC Bremen) über UKW-Kanal 16 und Kanal 70 (DSC) mit dem Rufnamen „Bremen Rescue“ sowie rund um die Uhr unter 0421 53687-0. Aus deutschen Mobilfunknetzen ist sie in Küstennähe auch über 124 124 erreichbar; die DGzRS weist darauf hin, dass dies eine Servicenummer der Netzbetreiber ist. Über die 112 kannst du dich mit der Rettungsleitstelle See verbinden lassen. Alle Wege stehen auf der Notfallseite der Seenotretter (Stand: Oktober 2026).
Ankermanöver bei Wind lassen sich am besten mit erfahrenen Leuten an Bord üben. Auf Törnfinder findest du Angebote für ein Skippertraining und Törns zum Mitsegeln auf der Ostsee, bei denen Ankern und Wetterplanung zum Bordalltag gehören.
Häufige Fragen
Wo bekomme ich Starkwind- und Sturmwarnungen für die Ostsee?
Beim Deutschen Wetterdienst. Er veröffentlicht Küstenwarnungen und Seewetterberichte online und über Funk. Prüfe sie vor dem Auslaufen und unterwegs mehrmals am Tag.
Wie merke ich nachts, dass mein Anker slippt?
Mit einem Ankeralarm per GPS oder App und mit Peilungen, die du dir nach dem Ankern einprägst. Bei viel Wind gehört zusätzlich eine regelmäßige Kontrolle an Deck dazu.
Wann sollte ich die Seenotretter rufen?
Früh. Die DGzRS bittet darum, sich schon zu melden, wenn eine Situation gefährlich werden könnte. Erreichbar ist die Rettungsleitstelle See über UKW-Kanal 16, DSC auf Kanal 70 und telefonisch unter 0421 53687-0 (Stand: Oktober 2026).




