Bordelektrik

Strom an Bord: 12 Volt, Landstrom, Solar und was du laden kannst

Von Redaktion toernfinder.de · Aktualisiert am 27.10.2026 · 8 Min. Lesezeit
Boote & TechnikSolarpaneele an Bord eines Bootes

Unterwegs ist Strom an Bord einer Segelyacht knapp: Alles, was du lädst, kommt aus einer 12-Volt-Batterie. Wieder geladen wird sie, wenn der Motor läuft, die Sonne auf die Solarmodule scheint oder die Yacht im Hafen an den Landstrom angeschlossen ist. Wer weiß, wie das Bordnetz funktioniert, lädt Handy, Kamera und Laptop ohne Stress und lässt die stromhungrigen Geräte gleich zu Hause.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Unterwegs kommt der Strom aus der Verbraucherbatterie mit 12 Volt Gleichstrom; die Starterbatterie ist für den Motor reserviert.
  • Nachgeladen wird über die Lichtmaschine bei laufendem Motor, über Solarmodule und im Hafen über Landstrom mit 230 Volt.
  • Handy und Kamera laden problemlos über USB oder die 12-Volt-Buchse. Laptops mit USB-C-Ladeanschluss laden dort mit einem ausreichend starken 12-Volt-Adapter, andere Laptops brauchen ihr Netzteil am Wechselrichter oder Landstrom.
  • Föhn, Wasserkocher und Glätteisen brauchen so viel Leistung, dass sie ohne Landstrom praktisch nicht gehen.

Wie funktioniert das Bordnetz auf einer Segelyacht?

Das Bordnetz einer Fahrtenyacht ist im Kern ein 12-Volt-Gleichstromnetz, gespeist aus Batterien, wie bei einem Wohnmobil. 230 Volt aus der Steckdose gibt es nur am Landstrom oder über einen Wechselrichter.

Starterbatterie und Verbraucherbatterie

Eine Fahrtenyacht hat in der Regel zwei getrennte Batteriekreise. Die Starterbatterie hat nur eine Aufgabe: den Motor anzuwerfen. Sie wird so vom übrigen Netz abgekoppelt, dass Licht, Kühlschrank und Ladegeräte sie nicht leer ziehen können. Alle anderen Geräte werden aus der Verbraucherbatterie versorgt, oft auch Bordbatterie oder Servicebatterie genannt. Wird sie leer, gehen Licht und Kühlschrank aus, der Motor startet aber trotzdem.

Woher kommt der Strom unterwegs?

Läuft der Motor, lädt seine Lichtmaschine zuerst die Starterbatterie und danach die Verbraucherbatterie. Solarmodule liefern tagsüber Strom, allerdings ist an Deck wenig Platz, und Mast, Baum und Segel werfen Schatten, sodass die Ausbeute schwankt. Segelst du nachts ohne Motor und ohne Wind- oder Schleppgenerator, lädt nichts nach: Dann lebt das Boot von dem, was in der Batterie steckt.

Landstrom im Hafen

Im Hafen wird die Yacht über ein Kabel mit der Steckdose am Steg verbunden. Ein fest eingebautes Ladegerät lädt dann die Batterien, und gibt es an Bord 230-Volt-Steckdosen, funktionieren sie wie zu Hause. Landstrom ist deshalb der Moment, in dem alle Akkus aufgefüllt werden.

Was macht ein Wechselrichter?

Ein Wechselrichter macht aus den 12 Volt der Batterie 230 Volt Wechselstrom. Damit laufen Laptop-Netzteil und Handy-Ladegerät auch auf See. Die Batterie liefert dafür aber jede Wattstunde selbst, plus einen Anteil, der beim Umwandeln als Wärme verloren geht. Für Laptop und Handy-Ladegerät reicht ein Wechselrichter mit ein paar hundert Watt; für Geräte, die heizen, müsste er ein Vielfaches leisten.

Was kannst du an Bord laden?

Alles, was über USB lädt, ist für das Bordnetz eine Kleinigkeit: Handy, Kamera-Akkus, Uhr, Kopfhörer, E-Reader. Selbst ein Laptop ist machbar, wenn du ihn gezielt lädst.

Segelboot mit Solarpaneel am Heck

Handy, Kamera und Kleinkram

Gibt es an Bord USB-Buchsen oder eine 12-Volt-Steckdose wie im Auto, lädst du dort direkt. Ein Kfz-Ladeadapter mit zwei oder mehr USB-Anschlüssen spart Gerangel um die eine Buchse am Kartentisch. Kamera-Akkus, die nur über ein eigenes 230-Volt-Ladegerät laden, lädst du am Wechselrichter oder am Landstrom.

Laptop und Tablet

Laptops, die über USB-C laden, kannst du mit einem passenden 12-Volt-Adapter an der Bordsteckdose laden. Achte darauf, dass der Adapter mindestens so viele Watt liefert wie dein normales Netzteil, sonst lädt der Rechner nur im Schneckentempo oder gar nicht. Laptops mit eigenem Netzteil und Rundstecker laden über dieses Netzteil am Wechselrichter oder am Landstrom; direkt an 12 Volt nur mit einem Ladegerät, das ausdrücklich für das Modell vorgesehen ist.

Der beste Zeitpunkt zum Laden

Lade, wenn ohnehin Strom hereinkommt: beim Motoren aus der Bucht, bei Sonne über Mittag und vor allem am Landstrom im Hafen. Nachts vor Anker alles gleichzeitig anzustecken, belastet die Batterie genau dann, wenn nichts nachkommt.

Warum gehen Föhn, Wasserkocher und Glätteisen meist nicht?

Weil diese Geräte in wenigen Minuten mehr Energie ziehen, als die Batterie für einen ganzen Tag einplant. Das zeigt eine einfache Rechnung mit Watt und Wattstunden.

Watt und Wattstunden einfach erklärt

Watt (W) sagt, wie viel Leistung ein Gerät gerade zieht. Wattstunden (Wh) sagen, wie viel Energie über eine bestimmte Zeit verbraucht wird: Leistung mal Stunden. Ein Gerät mit 60 Watt braucht in einer Stunde 60 Wh, in zehn Minuten also 10 Wh. Die Batterie hat einen festen Vorrat an Wattstunden, und der ist schneller leer, als man denkt.

Wie viel Strom hat die Bordbatterie?

Ein typisches Rechenbeispiel für eine kleinere Yacht: Eine Verbraucherbatterie mit 12 Volt und 100 Amperestunden speichert 1.200 Wh. Eine Blei-, AGM- oder Gelbatterie sollte aber nur bis zur Hälfte entladen werden, nutzbar sind also rund 600 Wh. Für ein kleineres Boot mit Licht, Navigationsinstrumenten und ein paar Ladegeräten ist ein Tagesverbrauch in dieser Größenordnung realistisch. Lithiumbatterien (LiFePO4) lassen sich zu 80 bis 100 Prozent nutzen und sind deutlich leichter; für dieselbe nutzbare Energie braucht man von einer Bleibatterie etwa die doppelte Kapazität.

Die Rechnung für Föhn und Wasserkocher

Rechenbeispiel: Ein Haartrockner mit 2.200 Watt verbraucht in zehn Minuten rund 370 Wh, also mehr als die Hälfte der 600 Wh aus dem Batteriebeispiel oben, Verluste im Wechselrichter noch nicht eingerechnet. Ein Wasserkocher mit 2.400 Watt, der im Beispiel vier Minuten läuft, braucht rund 160 Wh. Dazu kommt ein zweites Problem: Bei 12 Volt fließen für 2.200 Watt rechnerisch über 180 Ampere. Dafür sind die kleinen Wechselrichter an Bord und ihre Kabel gar nicht ausgelegt. Für Glätteisen und Lockenstab gilt dieselbe Rechnung, die Wattzahl steht auf dem Typenschild. Kaffee und Tee entstehen an Bord deshalb auf dem Herd, die Haare trocknen an der Luft.

Und am Landstrom?

Hängt die Yacht am Landstrom und hat sie 230-Volt-Steckdosen, laufen Föhn und Wasserkocher grundsätzlich. Ein Anschluss mit 16 Ampere liefert bei 230 Volt rechnerisch höchstens rund 3.700 Watt. Föhn und Wasserkocher aus dem Beispiel liegen gleichzeitig bei 4.600 Watt und damit darüber, dann kann die Sicherung am Steg auslösen. Also nacheinander statt zusammen.

Wie sparst du an Bord Strom?

Am meisten bringt es, Dauerverbraucher klein zu halten, denn sie laufen rund um die Uhr. Kleine Gewohnheiten der ganzen Crew machen dabei mehr aus als jede Technik.

  • Kühlschrank oder Kühlbox nur kurz öffnen und wissen, was du suchst, bevor der Deckel aufgeht. Getränke möglichst schon gekühlt an Bord bringen und nachfüllen, solange Landstrom anliegt.
  • Licht nur dort, wo es gebraucht wird. LED-Leuchten brauchen deutlich weniger als alte Glühbirnen, aber zehn brennende LEDs summieren sich trotzdem. Eine Stirnlampe ersetzt nachts die Salonbeleuchtung.
  • Instrumente, Plotter und Radio, die am Ankerplatz nicht gebraucht werden, aus. Das Ankerlicht bleibt nachts an.
  • Ladegeräte nicht dauerhaft im Wechselrichter stecken lassen und den Wechselrichter ausschalten, wenn nichts lädt; auch ohne Last verbraucht er etwas Strom.
  • Wer an Bord Internet über Satellit nutzt, hat einen weiteren Verbraucher, der im Betrieb ständig Strom zieht. Mehr dazu im Beitrag über Starlink auf Segelbooten.

Welcher Stecker passt an den Landstrom?

In europäischen Häfen ist der blaue CEE-Stecker mit drei Polen und 16 Ampere der übliche Landstromanschluss, ausgelegt für 200 bis 250 Volt. Der Haushaltsstecker (Schuko) passt da nicht hinein.

Das Landstromkabel gehört in der Regel zur Ausrüstung der Yacht. Für Häfen mit anderen Steckdosen gibt es fertige Adapterkabel, etwa zwischen CEE und Schuko; größere Yachten haben teils Anschlüsse für 32 Ampere und brauchen dann passende Kabel. Eine Kabeltrommel wird immer ganz abgerollt, sonst kann sie sich überhitzen. Selbst gebastelte Adapter haben an Bord nichts verloren, und Einbau oder Änderungen an der Bordelektrik sind Arbeit für Fachleute.

Wenn du als Crew anreist: Was kommt ins Gepäck?

Pack so, dass du mit USB und einer Powerbank auskommst. Damit bist du unabhängig davon, wie gut die Yacht ausgestattet ist.

  • Ein Kfz-Ladeadapter für die 12-Volt-Buchse mit mehreren USB-Anschlüssen, bei Laptops mit USB-C einer mit ausreichender Wattzahl.
  • Passende Ladekabel, gern etwas länger, denn die Buchse sitzt selten neben der Koje.
  • Eine Powerbank für die Nacht, den Landgang und Tage ohne Landstrom.
  • Föhn, Glätteisen und Reisewasserkocher bleiben zu Hause.

Fliegst du zum Törn, gehört die Powerbank ins Handgepäck, nicht in den aufgegebenen Koffer. Wie viele und wie große Powerbanks erlaubt sind und ob du sie im Flugzeug benutzen darfst, regeln die Fluggesellschaften unterschiedlich.

Strom an Bord und dein nächster Törn

Wie viel Strom zur Verfügung steht, hängt vor allem vom Törn ab: Wer jeden Abend in einen Hafen mit Landstrom einläuft, lädt dort alles auf. Bei Ankernächten und längeren Schlägen über Nacht, wie auf einem Meilentörn, zählt jede Wattstunde. Auf Törnfinder findest du Törns in vielen Revieren, vom Wochenende an der Küste bis zur langen Überführung, und zum Beispiel Mitsegeln im Mittelmeer mit Plätzen für einzelne Mitsegler.

Häufige Fragen

Kann ich an Bord einen Föhn benutzen?

Unterwegs praktisch nicht: Ein Föhn mit 2.200 Watt verbraucht in zehn Minuten rund 370 Wh. Im Beispiel einer Bleibatterie mit 100 Ah ist das mehr als die Hälfte des nutzbaren Vorrats von rund 600 Wh. Am Landstrom geht es, wenn die Yacht 230-Volt-Steckdosen hat.

Wie lange hält die Bordbatterie?

Das hängt von Größe, Batterietyp und Verbrauch ab. Bleibatterien sind nur zur Hälfte nutzbar, Lithiumbatterien zu 80 bis 100 Prozent. Im Beispiel einer Bleibatterie mit 100 Ah und rund 600 Wh nutzbarem Vorrat reicht das auf einer kleineren Yacht etwa für einen Tag ohne Nachladen.

Lädt die Batterie beim Segeln?

Nur, wenn Solarmodule oder ein anderer Lader an Bord sind. Die Lichtmaschine lädt nur bei laufendem Motor.

Welcher Stecker wird für Landstrom gebraucht?

In der Regel der blaue CEE-Stecker mit drei Polen und 16 Ampere. Für Häfen mit anderen Steckdosen gibt es fertige Adapterkabel.

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