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Betonnung auf See: Lateralsystem, rote und grüne Tonnen erklärt

Von Redaktion toernfinder.de · Aktualisiert am 25.10.2026 · 9 Min. Lesezeit
Ausbildung & SegelwissenRote Lateraltonne auf bewegtem Wasser

Rote und grüne Tonnen, gelb-schwarze Säulen, hier und da ein Zeichen mit Kugeln oder Kreuz obendrauf: Hinter dieser Betonnung steckt ein klares Regelwerk, das Lateralsystem und die übrigen Zeichen des IALA-Systems, und wer die Logik einmal verstanden hat, liest ein Fahrwasser fast so selbstverständlich wie eine Straße.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Betonnung folgt weltweit dem Maritimen Betonnungssystem der IALA. Es gibt zwei Regionen: A (unter anderem Europa, Afrika, Australien) und B (unter anderem Amerika, Japan, Korea, Philippinen).
  • In Region A liegen beim Einlaufen von See die roten Tonnen an Backbord und die grünen an Steuerbord. In Region B ist es genau umgekehrt.
  • Kardinalzeichen sind gelb-schwarz und zeigen dir, auf welcher Himmelsrichtung vom Zeichen aus das sichere Wasser liegt.
  • Einzelgefahrenzeichen, Zeichen für sicheres Wasser, Sonderzeichen und das Wrackzeichen gelten in beiden Regionen gleich.
  • Seezeichen gehören zum Grundwissen für die Sportbootführerscheine, sind aber vor allem Alltagshandwerk für alle an Bord.

Was bedeutet Betonnung auf See?

Betonnung ist die Kennzeichnung von Fahrwassern, Gefahrenstellen und besonderen Gebieten durch Tonnen, Baken und Leuchtfeuer. Sie sagt dir, wo du sicher fahren kannst und wo nicht.

Grundlage ist das Maritime Betonnungssystem der IALA, des internationalen Verbands der Seezeichenbehörden. Es geht auf eine Konferenz im November 1980 zurück, auf der zwei bis dahin getrennte Systeme zusammengeführt wurden, und kennt heute sechs Gruppen: Lateralzeichen, Kardinalzeichen, Einzelgefahrenzeichen, Zeichen für sicheres Wasser, Sonderzeichen und das Wrackzeichen.

In deutschen Gewässern ist die Betonnung der Seeschifffahrtsstraßen in der Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung geregelt, die Zeichen stehen in deren Anlage I (Stand: Oktober 2026).

Wie funktioniert das Lateralsystem?

Das Lateralsystem markiert die beiden Seiten eines Fahrwassers: eine Farbe für die linke, eine für die rechte Seite. Entscheidend ist dabei nicht deine aktuelle Fahrtrichtung, sondern die festgelegte Betonnungsrichtung.

Rote Fahrwassertonne mit Nummer vor der Küste

Was heißt „von See kommend“?

Die Betonnungsrichtung ist grundsätzlich die Richtung, in der ein Schiff von See her einen Hafen, eine Flussmündung oder eine Wasserstraße ansteuert. Die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung definiert die Steuerbordseite des Fahrwassers deshalb als die Seite, die ein von See einlaufendes Fahrzeug an Steuerbord hat. Verbindet ein Fahrwasser zwei Meeresteile, regelt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung den Fall selbst: Steuerbordseite ist dann die Seite, die ein aus westlicher Richtung kommendes Fahrzeug an Steuerbord hat. Außerhalb deutscher Gewässer legt die zuständige Behörde die Richtung fest, im Grundsatz im Uhrzeigersinn um Landmassen herum. Die Seekarte zeigt sie mit einem eigenen Symbol.

Läufst du aus, kehrt sich das Bild um: Die Tonnen, die du beim Einlaufen an Backbord hattest, liegen dann an Steuerbord. Mehr zu den beiden Begriffen steht im Beitrag Warum Steuerbord und Backbord nicht einfach nur rechts und links sind.

Rote und grüne Tonnen in Region A

In Region A, also auch in Nord- und Ostsee und im Mittelmeer, gilt in Betonnungsrichtung:

  • Backbordseite: rot, zylindrische Form (Stumpftonne), Spiere oder Säule; als Toppzeichen ein roter Zylinder; Feuer, falls vorhanden, rot.
  • Steuerbordseite: grün, kegelförmig (Spitztonne), Spiere oder Säule; als Toppzeichen ein grüner Kegel mit der Spitze nach oben; Feuer, falls vorhanden, grün.

Die Kennung der Feuer ist international weitgehend frei wählbar, in deutschen Gewässern legt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung eine Auswahl fest. Sind die Tonnen nummeriert, tragen die roten gerade und die grünen ungerade Nummern, gezählt von See her.

Merkhilfe: die eigenen Seitenlichter

Eine einfache Eselsbrücke liefert das Boot, auf dem du segelst. Nach den Kollisionsverhütungsregeln führt jedes Fahrzeug an Backbord ein rotes und an Steuerbord ein grünes Seitenlicht. In Region A passen die Tonnen beim Einlaufen genau dazu: Rot liegt auf der Seite der roten Laterne, Grün auf der Seite der grünen. Für die Form genügt ein Bild: Grün und Steuerbord gehören zur Tonne, die oben spitz zuläuft, Rot und Backbord zur Tonne mit flachem Kopf.

Was ist der Unterschied zwischen IALA-Region A und B?

Der einzige Unterschied liegt bei den Lateralzeichen: In Region B sind die Farben vertauscht. Dort ist die Backbordseite grün und die Steuerbordseite rot, Formen und Toppzeichen bleiben gleich. Alle übrigen Zeichengruppen sind in beiden Regionen identisch.

Region B umfasst im Wesentlichen Nord-, Mittel- und Südamerika sowie Japan, Südkorea und die Philippinen. Region A umfasst Europa, Afrika, Australien, Neuseeland, die Golfregion und einen Teil der asiatischen Staaten. Die genauen Grenzen zeigt die IALA auf einer Karte. Wer etwa in die Karibik aufbricht, segelt in der Regel in Region B, sollte die Betonnung vor dem ersten Einlaufen aber in der Karte nachsehen.

Wie liest man Kardinalzeichen?

Ein Kardinalzeichen sagt dir, in welcher Himmelsrichtung vom Zeichen aus das sichere Wasser liegt. Eine Nordtonne passierst du also nördlich, eine Südtonne südlich.

Kardinalzeichen sind gelb-schwarz, als Säule oder Spiere ausgeführt und tragen, wo es möglich ist, zwei schwarze Kegel übereinander als Toppzeichen. Sie sind unabhängig von der Betonnungsrichtung, du brauchst für sie also den Kompass.

Toppzeichen und Farben

  • Nord: beide Kegel mit der Spitze nach oben, oben schwarz, unten gelb.
  • Ost: Kegel mit den Grundflächen zueinander (die Spitzen zeigen nach außen), schwarz mit einem breiten gelben Band.
  • Süd: beide Kegel mit der Spitze nach unten, oben gelb, unten schwarz.
  • West: Kegel mit den Spitzen zueinander, gelb mit einem breiten schwarzen Band.

Die Farben lassen sich aus dem Toppzeichen ableiten: Schwarz sitzt dort, wohin die Spitzen der Kegel zeigen, bei Nord also oben, bei Süd unten, bei Ost oben und unten und bei West in der Mitte.

Die Feuerkennung

Kardinalzeichen haben weißes Funkellicht, entweder schnell (50 oder 60 Blitze pro Minute) oder sehr schnell (100 oder 120 Blitze pro Minute). Die Zahl der Blitze folgt dem Zifferblatt einer Uhr: Ost steht auf drei, Süd auf sechs, West auf neun Uhr.

  • Nord: ununterbrochenes Funkeln.
  • Ost: drei Blitze, dann Pause (sehr schnell alle 5 Sekunden, schnell alle 10 Sekunden).
  • Süd: sechs Blitze und ein langer Blitz von mindestens zwei Sekunden, dann Pause (sehr schnell alle 10, schnell alle 15 Sekunden).
  • West: neun Blitze, dann Pause (sehr schnell alle 10, schnell alle 15 Sekunden).

Der lange Blitz bei Süd verhindert, dass du sechs und neun Blitze beim Zählen verwechselst.

Welche weiteren Seezeichen gibt es?

Dazu kommen vier weitere Zeichen, die in Region A und B gleich aussehen.

Einzelgefahrenzeichen

Dieses Zeichen steht direkt auf einer kleinen, begrenzten Gefahr, um die herum befahrbares Wasser liegt, etwa ein einzelner Stein. Es ist schwarz mit einem oder mehreren breiten roten waagerechten Bändern und trägt zwei schwarze Kugeln übereinander. Das Feuer ist weiß und zeigt eine Gruppe aus zwei Blitzen, passend zu den zwei Kugeln.

Zeichen für sicheres Wasser

Rot-weiß senkrecht gestreift, kugelförmig oder als Säule bzw. Spiere mit einer roten Kugel als Toppzeichen: So sieht ein Zeichen aus, das ringsum befahrbares Wasser anzeigt. Es dient als Ansteuerungstonne vor einem Fahrwasser oder markiert dessen Mitte. Das weiße Feuer ist entweder gleichtaktig, unterbrochen, ein langer Blitz alle zehn Sekunden oder das Morsezeichen „A“ (kurz-lang). In deutschen Seeschifffahrtsstraßen sind nur die ersten beiden vorgesehen.

Sonderzeichen

Gelbe Zeichen mit einem gelben liegenden Kreuz als Toppzeichen dienen nicht in erster Linie der Navigation. Sie weisen auf besondere Gebiete oder Einrichtungen hin, deren Bedeutung in der Seekarte und in den nautischen Veröffentlichungen steht. Die Form ist frei, darf aber nicht mit Lateralzeichen verwechselbar sein. Das Feuer ist gelb, mit einer Kennung, die nicht für Kardinal-, Einzelgefahren- oder Ansteuerungszeichen reserviert ist.

Wrackzeichen für neue Gefahren

Neu entdeckte Gefahren, die noch nicht in den Seekarten stehen, werden mit den üblichen Zeichen bezeichnet, bei hohem Risiko mit mindestens einem doppelt ausgelegten Zeichen. So ist es auch in deutschen Seeschifffahrtsstraßen geregelt. Für frische Wracks sieht das IALA-System zusätzlich ein eigenes Wrackzeichen vor. Es ist blau-gelb senkrecht gestreift (vier bis acht Streifen), trägt ein aufrechtes gelbes Kreuz und zeigt abwechselnd ein blaues und ein gelbes Licht, jeweils eine Sekunde lang mit einer halben Sekunde Pause dazwischen. Blau kommt sonst in der Betonnung nicht vor und fällt deshalb sofort auf. Das Wrackzeichen wird entfernt, wenn die Gefahr ausreichend bekannt gemacht oder beseitigt ist.

Die Zeichen im Überblick

Die Tabelle fasst die Merkmale für Region A zusammen (Stand: Oktober 2026).

Zeichen Farbe Toppzeichen Feuer (falls vorhanden)
Lateral Backbord Rot Roter Zylinder Rot
Lateral Steuerbord Grün Grüner Kegel, Spitze oben Grün
Nord Schwarz über Gelb Zwei Kegel, Spitzen oben Weiß, ununterbrochen funkelnd
Ost Schwarz, gelbes Band Zwei Kegel, Grundflächen zueinander Weiß, 3 Blitze
Süd Gelb über Schwarz Zwei Kegel, Spitzen unten Weiß, 6 Blitze plus langer Blitz
West Gelb, schwarzes Band Zwei Kegel, Spitzen zueinander Weiß, 9 Blitze
Einzelgefahr Schwarz mit roten Bändern Zwei schwarze Kugeln Weiß, Gruppe aus 2 Blitzen
Sicheres Wasser Rot-weiß senkrecht gestreift Rote Kugel Weiß: gleichtaktig, unterbrochen, langer Blitz oder Morse „A“
Sonderzeichen Gelb Gelbes liegendes Kreuz Gelb
Wrackzeichen (neue Gefahr) Blau-gelb senkrecht gestreift Gelbes aufrechtes Kreuz Blau und gelb im Wechsel

Die vollständigen Vorgaben stehen in der IALA-Empfehlung R1001 zum Maritimen Betonnungssystem, für deutsche Gewässer gilt die Seeschifffahrtsstraßen-Ordnung mit ihrer Anlage I.

Betonnung in der Praxis: worauf kommt es an Bord an?

An Bord hilft beim schnellen Einordnen eine feste Reihenfolge.

  1. Farbe und Form erkennen: rot oder grün, gelb-schwarz, gestreift, gelb oder blau-gelb.
  2. Toppzeichen prüfen, denn Farben verblassen und sind im Gegenlicht schwer zu sehen, Silhouetten bleiben eindeutig.
  3. Die Tonne in der Seekarte suchen und mit Name oder Nummer abgleichen.
  4. Bei Lateralzeichen kurz klären, ob du gerade mit oder gegen die Betonnungsrichtung fährst.
  5. Nachts die Blitze zählen, und zwar mehrmals, bevor du dich festlegst.

Tonnen können vertreiben, ihr Licht kann ausfallen, und nicht jede Untiefe ist betonnt. Die Betonnung ersetzt daher weder die aktuelle Seekarte noch den Blick auf Lot und Plotter. Änderungen an der Betonnung werden in amtlichen nautischen Warnnachrichten und Berichtigungen zu den Seekarten bekannt gegeben, in Deutschland unter anderem über das BSH und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung.

Sicher wird die Betonnung erst durch Übung draußen, am besten mit jemandem, der fragt: „Welche Tonne ist das, und wo lassen wir sie?“

Häufige Fragen

Auf welcher Seite lasse ich die rote Tonne?

In Region A liegt die rote Tonne in Betonnungsrichtung, also von See kommend, an Backbord. Läufst du aus, lässt du sie an Steuerbord. In Region B ist es umgekehrt.

Was ist der Unterschied zwischen Lateral- und Kardinalzeichen?

Lateralzeichen kennzeichnen die Seiten eines Fahrwassers und beziehen sich auf die Betonnungsrichtung. Kardinalzeichen beziehen sich auf die Himmelsrichtung und zeigen, auf welcher Seite des Zeichens das sichere Wasser liegt.

Wie kann ich mir die Feuer der Kardinalzeichen merken?

Denk an ein Zifferblatt: Ost drei Blitze, Süd sechs plus ein langer, West neun. Nord funkelt ohne Pause.

Woran erkenne ich ein Wrack, das noch nicht in der Seekarte steht?

Oft an verdoppelten Kardinal- oder Einzelgefahrenzeichen, so ist es in deutschen Seeschifffahrtsstraßen vorgesehen. Im IALA-System gibt es außerdem ein eigenes Wrackzeichen: blau-gelb senkrecht gestreift, mit gelbem Kreuz und abwechselnd blauem und gelbem Licht. Halte großzügig Abstand und prüfe die aktuellen nautischen Warnnachrichten.

Betonnung üben auf Törn und Kurs

Nirgends lernt man Seezeichen schneller als auf dem Wasser. Auf Törnfinder findest du Ausbildungstörns und Skippertrainings, bei denen das Ansteuern betonnter Fahrwasser zum Programm gehört, und unter Kurse und Seminare Angebote für Theorie und Praxis rund um Navigation.

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