Bordkasse

Bordkasse auf dem Segeltörn: Was hineingehört und wie die Crew teilt

Von Redaktion toernfinder.de · Aktualisiert am 27.10.2026 · 9 Min. Lesezeit
Charter & ReisenCrew beim Essen an Deck einer Segelyacht

Wer mit anderen eine Woche auf einer Yacht verbringt, zahlt nicht nur den Kojenpreis oder seinen Anteil an der Charter. Dazu kommt die Bordkasse: ein gemeinsamer Topf für alles, was unterwegs anfällt, von Brot und Kaffee über Liegegeld bis zum Diesel.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Die Bordkasse deckt die laufenden Kosten an Bord: Proviant, Getränke für die Bordküche, Liege- und Hafengebühren, Diesel, Wasser und Gas.
  • Restaurantbesuche, Ausflüge, Anreise und persönliche Wünsche zahlt meist jeder selbst.
  • Liegegeld und Diesel werden pro Boot berechnet, nicht pro Person. Je mehr Leute an Bord sind, desto kleiner ist der Anteil.
  • Endreinigung, Bettwäsche, Kaution und Gebühren der Charterbasis gehören nicht in die Bordkasse, sondern zur Charter oder zum Kojenpreis.
  • Faire Abrechnung heißt: gleicher Startbetrag für alle, ein Kassenwart, Belege sammeln, am Ende offen abrechnen.

Was ist eine Bordkasse?

Die Bordkasse ist das gemeinsame Geld der Crew für die Kosten, die erst während des Törns entstehen. Zu Beginn zahlt jeder einen festen Betrag ein, eine Person verwaltet das Geld, und am Ende wird abgerechnet.

Der Grund für dieses System ist einfach. Viele Ausgaben lassen sich vor dem Törn nicht genau beziffern. Wie oft die Crew in einen Hafen geht und wie oft sie ankert, wie viel unter Motor gefahren wird und was in der Bordküche landet, entscheidet sich erst unterwegs. Statt jede Rechnung einzeln aufzuteilen, zahlt die Kasse, und jeder trägt am Ende seinen Anteil.

Die Bordkasse gibt es auf Mitsegeltörns ebenso wie auf gemeinsam gecharterten Yachten oder wenn Eigner Freunde mitnehmen. Die Regeln sind überall ähnlich, nur die Frage, wer einzahlt, wird unterschiedlich beantwortet.

Was kommt in die Bordkasse?

In die Bordkasse gehören die Kosten, die alle an Bord gemeinsam verursachen. Die üblichen Posten sind diese:

Gedeckter Tisch an Bord in der Abenddämmerung

Proviant und Getränke

Frühstück, Mittagssnack, Abendessen an Bord, Kaffee, Tee, Wasser und Softdrinks. Das ist meist der größte Posten. Ob auch Bier und Wein aus der Kasse bezahlt werden, ist Absprache. Manche Crews kaufen Alkohol gemeinsam, andere getrennt, weil nicht alle gleich viel trinken.

Liege- und Hafengebühren

Wer in einer Marina oder einem Stadthafen festmacht, zahlt Liegegeld. Es richtet sich nach der Größe des Bootes, nicht nach der Zahl der Menschen an Bord. Manche Häfen rechnen nach Länge, andere nach Fläche. Strom, Duschen oder Waschmaschine kosten je nach Hafen extra. An Bojenfeldern wird oft ebenfalls kassiert, das Ankern in freien Buchten ist dagegen meist kostenlos.

Diesel

Charteryachten werden in der Regel vollgetankt übergeben und müssen vollgetankt zurückgegeben werden. Die Tankfüllung am Ende zahlt deshalb die Bordkasse. Wie viel das ist, hängt davon ab, wie oft die Crew den Motor braucht, bei Flaute oder für Hafenmanöver.

Wasser, Gas und Kleinkram

Frischwasser zum Auffüllen der Tanks kostet in manchen Häfen Geld. Gas für den Herd wird bei Bedarf als Tauschflasche gekauft. Dazu kommen Spülmittel, Müllbeutel, Toilettenpapier und Ähnliches.

Eintritt in Schutzgebiete

Einige Nationalparks verlangen Eintritt für Boote. Im kroatischen Nationalpark Brijuni zum Beispiel wird pro Boot nach Länge abgerechnet, eine bestimmte Zahl Personen ist im Bootsticket enthalten, Katamarane zahlen das Doppelte. Solche Gebühren betreffen das ganze Boot und gehören deshalb in die Kasse.

Was ist im Kojenpreis enthalten und was nicht?

Im Kojenpreis steckt meist der Platz an Bord samt Anteil an Yacht und Skipper. Laufende Kosten wie Essen, Häfen und Diesel sind fast immer ausgenommen und laufen über die Bordkasse.

Daneben gibt es Posten, die weder klar zum Kojenpreis noch zur Bordkasse gehören. Sie hängen vom Revier, vom Boot und vom Anbieter ab:

  • Endreinigung: Charterbasen berechnen sie meist pauschal pro Boot. Manchmal ist sie im Kojenpreis enthalten, manchmal kommt sie als Aufschlag dazu.
  • Bettwäsche und Handtücher: oft im Paket der Charterbasis enthalten, manchmal gegen Aufpreis. Auf manchen Booten bringt jeder seinen eigenen Schlafsack oder Bezug mit.
  • Transitlog: So heißt bei vielen Charterbasen eine Pauschale, die je nach Basis Endreinigung, Bettwäsche, den Liegeplatz in der Ausgangsmarina oder die Abwicklung beim Check-in abdeckt. Was genau dazugehört, ist nicht einheitlich geregelt.
  • Kaution: Wer eine Yacht chartert, hinterlegt eine Kaution für Schäden. Sie wird nicht verbraucht, sondern bei schadenfreier Rückgabe freigegeben. Bei einer gemeinsam gecharterten Yacht teilt die Crew sie oft auf.
  • Kautionsversicherung: Sie ersetzt bei einem Schaden den Teil der Kaution, der einbehalten wird. Bei einer gemeinsam gecharterten Yacht teilt die Crew die Prämie meist wie die Charter selbst, also außerhalb der Bordkasse.

Was nie in die Bordkasse gehört: Anreise und Rückreise, Essen im Restaurant (sofern nicht alle gemeinsam essen und das so vereinbart ist), Ausflüge an Land, Souvenirs und persönliche Getränke abseits des gemeinsamen Einkaufs.

Welche Gebühren und Abgaben fallen je nach Revier an?

In Kroatien zahlen Gäste auf Charterbooten eine Tourismusabgabe pro Person und Nacht. In Griechenland zahlt der Eigner oder Betreiber eine Abgabe pro Boot, nicht pro Gast (Stand: Oktober 2026).

Kroatien: Tourismusabgabe pro Person und Nacht

Wer in Kroatien auf einem gewerblich genutzten Boot übernachtet, also auf einer Charteryacht, zahlt für jede Nacht eine Tourismusabgabe. Kinder bis zwölf Jahre sind befreit, Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren zahlen die Hälfte. Berufsskipper und andere bezahlte Crewmitglieder sind ausgenommen. Gezahlt wird an das Unternehmen, mit dem der Vertrag besteht, also an die Charterfirma oder den Törnanbieter. Es kassiert die Abgabe zusammen mit seiner Leistung und weist sie auf der Rechnung gesondert aus. Die Höhe legt der kroatische Tourismusminister per Verordnung fest.

Griechenland: Abgabe pro Boot, nicht pro Person

In Griechenland gilt für Freizeit- und Charteryachten über sieben Meter Länge eine monatliche Abgabe, die sich nach der Bootslänge richtet. Zahlen müssen Eigner oder Betreiber des Bootes, bei gewerblich vercharterten Yachten also das Charterunternehmen. Eine Abgabe pro Gast sieht diese Regelung nicht vor. Sie ist damit kein Posten für die Bordkasse. Einzelheiten stehen bei der griechischen Steuerbehörde.

Deutschland: Kurabgabe im Hafen

In deutschen Ferienorten an der Küste kann zum Liegegeld eine Kurabgabe kommen. Manche Häfen rechnen sie für eine bestimmte Zahl von Personen direkt mit ab. Im Yachthafen Grömitz etwa ist die Kurabgabe für bis zu zwei Personen je Übernachtung im Gastliegegeld enthalten. Bei einer größeren Crew kann sie für die übrigen Personen hinzukommen. Auch das ist ein Fall für die Bordkasse.

Wie viel Bordkasse pro Person und Woche? Ein Rechenbeispiel

Eine allgemeingültige Summe gibt es nicht, weil Revier, Saison, Bootsgröße und Gewohnheiten der Crew den Betrag bestimmen. Das folgende Beispiel zeigt nur, wie die Rechnung aufgebaut ist.

Alle Zahlen sind selbst gewählte, runde Annahmen, keine gemessenen Durchschnittswerte: eine Woche mit sieben Nächten, fünf Personen an Bord (vier zahlende Mitsegler und ein Skipper), vier Nächte im Hafen, drei Nächte vor Anker.

Posten Annahme Summe
Liegegeld 4 Nächte zu je 80 Euro pro Boot 320 Euro
Ankern 3 Nächte in freien Buchten 0 Euro
Proviant und Getränke an Bord 15 Euro pro Person und Tag, 5 Personen, 7 Tage 525 Euro
Diesel Volltanken am Ende 150 Euro
Wasser, Gas, Kleinkram pauschal 35 Euro
Gesamt 1.030 Euro

Teilen sich vier Mitsegler die Kosten und der Skipper zahlt nicht ein, trägt jeder 257,50 Euro. Zahlen alle fünf ein, sind es 206 Euro pro Person. An diesem Beispiel sieht man die Stellschrauben: Ein zusätzlicher Hafentag erhöht die Kosten für alle, eine Nacht mehr vor Anker senkt sie. Bei einer kleineren Crew steigt der Anteil, weil Liegegeld und Diesel pro Boot anfallen.

Wie wird die Bordkasse abgerechnet?

Am besten mit einem festen Startbetrag pro Person, einem Kassenwart und gesammelten Belegen. Am Ende wird der Überschuss ausgezahlt oder ein Fehlbetrag nachgeschossen.

  1. Startbetrag festlegen: Am ersten Tag zahlt jeder den gleichen Betrag ein. Reicht er nicht, wird unterwegs nachgelegt.
  2. Kassenwart bestimmen: Eine Person führt die Kasse. Das muss nicht der Skipper sein, der hat an Bord genug zu tun.
  3. Belege sammeln: Kassenbons, Hafenquittungen und Tankbelege kommen in einen Umschlag oder werden fotografiert. Eine einfache Liste mit Datum, Posten und Betrag genügt.
  4. Bargeld und Karte trennen: Viele Häfen und Tankstellen akzeptieren Karte. Zahlt jemand privat für die Kasse, wird das notiert und später verrechnet. Für kleine Häfen und Märkte ist etwas Bargeld trotzdem sinnvoll.
  5. Abschluss am letzten Tag: Ausgaben addieren, durch die Zahl der Einzahlenden teilen, Rest auszahlen. Am einfachsten vor dem Abschied, solange alle noch an Bord sind.

Tipps für eine faire Bordkasse

Fair wird die Bordkasse, wenn vor dem ersten Einkauf feststeht, wer einzahlt und was die Kasse bezahlt. Die meisten Streitpunkte entstehen bei Alkohol, beim Skipper und bei Restaurantbesuchen.

Der Skipper und die Kasse

Der Skipper zahlt nicht in die Bordkasse ein, isst aber mit. Das ist alter Seemannsbrauch und auf Törns mit Skipper gängige Praxis, auch als Wertschätzung für seine Verantwortung und Arbeit an Bord. Ein Gesetz ist es natürlich nicht. Bei Törns unter Freunden, bei denen einer das Boot führt, zahlen manchmal alle gleich. Wichtig ist, dass alle vor dem Törn wissen, welches Modell gilt, denn es verändert den Anteil jedes Einzelnen spürbar.

Alkohol getrennt halten

Wer wenig oder gar nicht trinkt, zahlt ungern für die Weinvorräte der anderen. Eine einfache Lösung: Grundproviant aus der Kasse, Bier und Wein aus einer zweiten Kasse für alle, die mittrinken.

Restaurant ja oder nein

Isst die ganze Crew zusammen an Land, kann die Kasse zahlen, wenn alle einverstanden sind. Sonst zahlt jeder selbst.

Einkaufen mit Plan

Ein Einkaufszettel für die ersten zwei, drei Tage verhindert Doppelkäufe. Auf kleinen Inseln ist das Angebot oft begrenzt und teurer, ein größerer Einkauf am Ausgangshafen spart Geld. Allergien, vegetarische Ernährung und andere Wünsche gehören auf den ersten Zettel.

Transparenz beim Abschluss

Eine offene Schlussrechnung mit allen Belegen schützt den Kassenwart vor Misstrauen und die Crew vor Fehlern. Wer früher von Bord geht, rechnet vorher anteilig ab.

Passende Törns auf Törnfinder

Auf Törnfinder findest du in der Übersicht aller Törns Mitsegelangebote in vielen Revieren, zum Beispiel beim Mitsegeln in Kroatien oder beim Mitsegeln in Griechenland. Wer Meilen sammeln will, schaut bei den Meilentörns. Wer mit kleinem Budget segeln möchte und an Bord mit anpackt, findet Angebote unter Hand gegen Koje.

Häufige Fragen

Was ist eine Bordkasse beim Segeln?

Ein gemeinsamer Geldtopf der Crew für Kosten, die unterwegs entstehen: Proviant, Getränke, Liegegeld, Diesel, Wasser und Gas. Jeder zahlt zu Beginn den gleichen Betrag ein, am Ende wird abgerechnet.

Zahlt der Skipper in die Bordkasse ein?

In der Regel nicht: Dass der Skipper nicht einzahlt, aber aus der Kasse mitverpflegt wird, ist Seemannsbrauch und gängige Praxis, als Wertschätzung für seine Arbeit an Bord. Eine gesetzliche Pflicht ist es nicht. Unter Freunden zahlen manchmal alle gleich viel.

Ist der Diesel in der Bordkasse?

Ja, meist. Charteryachten werden in der Regel vollgetankt übergeben und vollgetankt zurückgegeben. Die Tankfüllung am Ende zahlt die Bordkasse.

Gehört die Kaution in die Bordkasse?

Nein. Die Kaution ist eine Sicherheit für Schäden an der Yacht und wird bei schadenfreier Rückgabe freigegeben. Sie läuft über den Chartervertrag, nicht über die Bordkasse.

Was passiert mit dem Geld, das am Ende übrig bleibt?

Der Rest wird zu gleichen Teilen an alle ausgezahlt, die eingezahlt haben. Manche Crews nutzen ihn auch für ein gemeinsames Abschlussessen, wenn alle einverstanden sind.

Beitrag teilen

Mehr aus Charter & Reisen

Alle 4 Beiträge →