Wie kommt man aus dem Mittelmeer auf die Kanaren?
Klar Gibraltar, aber da ist das Thema mit den Orcas - also suchten wir Alternativen.
Obwohl nur spärlich Informationen zu finden waren, was die Segelei in Marokko betrifft, wollten wir diesen Weg beschreiten.
Unsere Reise führte von der Südküste Spaniens (Almeria) zur Nordküste Marokkos.
Unser Fazit, trotz mancher nicht gewohnten Abläufe - wir kommen wieder und können guten Gewissens empfehlen: Marokko ist eine Reise wert
Land: Marokko
Starthafen: Saidia
Zielhafen: Agadir
Route: Saidia-Smir-Tangier-Rabat-Mohammedia-El Jadida-Essaouira-Agadir
Seemeilen: 600
Reisezeit: 16.11.2024 – 30.11.2024
Segelyacht: Monohull, Bavaria 50 Cruiser, 50 Fuß
Veranstalter: mein-segelurlaub
Törnbericht: Marokko
You are welcome in Marocco-mit diesem Satz wurden wir oft begrüßt und verabschiedet.
Zweimal führte uns eine Überführung aus der Adria auf die Kanaren und wieder zurück entlang der marokkanischen Atlantikküste – und beide Male haben wir das Land auf eine Weise erlebt, die uns nachhaltig beeindruckt hat. Marokko ist ein Segelrevier, das man leicht unterschätzt. Die Mischung aus verlässlicher Infrastruktur, ehrlicher Gastfreundschaft und vielschichtiger Kultur macht jeden Landgang zu einem Gewinn.
Ursprünglich war die Route anders geplant. Doch die in den letzten Jahren gemeldeten Orca-„Zusammenstöße“ im Süden Portugals machten eine direkte Passage für uns zu riskant. Deshalb entschieden wir uns bewusst für die Atlantikroute entlang Marokkos — und wurden dafür belohnt.
Unsere Etappen führten von Saidia im Nordosten über Smir, Tangier, Rabat, Mohammedia, El Jadida bis nach Agadir; zwischendurch ankerten wir in der weiten Bucht von Essaouira. Die Häfen sind größtenteils gut organisiert, die Marinas sicher und die maritimen Abläufe eingespielt. Besonders in Tangier und Rabat überzeugten moderne Anlagen. Immer trafen wir hilfsbereites Personal.
Ein Punkt, der viele vorab beschäftigt: das Einklarieren. Unsere Empfehlung und Erfahrung konkret: plant beim Ankommen und beim Verlassen des Hafens je etwa eine Stunde ein. Haltet alle Reisepässe der Crew bereit, eine vorbereitete Crewliste sowie Kopien der Bootspapiere sind sehr hilfreich und sparen Zeit. In der Praxis kommen Zoll und oft noch weitere Behörden an Bord, schauen sich das Boot an und stellen routinierte Fragen — typischerweise zu Alkohol, Drogen, Waffen und Drohnen.
Drogen und Waffen sind strikt verboten. Alles, was den normalen persönlichen Bedarf an Alkohol nicht übersteigt, ist unproblematisch; wer mit mehreren Kisten Hochprozentigem auftaucht, weckt allerdings Argwohn — das könnte den Eindruck erwecken, man wolle mit Alkohol Handel treiben, und ist daher nicht zu empfehlen. Einmal erlebten wir bei der Kontrolle eine Suche mit Hund nach Drogen: ruhig, professionell und in weniger als 10 Minuten erledigt. Insgesamt haben wir den Eindruck gewonnen, dass Behörden hier sachlich und nett arbeiten — keine Spur von Korruption, im Gegenteil: meist sehr kooperativ.
Kleiner, aber wichtiger Hinweis: wenn ihr eine Drohne mitführt, kann es sein, dass ihr diese beim Hafenmeister abgeben müsst, bis ihr weiterfahrt. Nehmt solche lokalen Formalitäten gelassen — sie gehören zum Prozedere und werden fair gehandhabt.
Preise für Liegeplätze liegen umgerechnet zwischen 30,00 und 70,00 € pro Nacht für einen 50ft Einrümpfer. Nicht überall ist Kartenzahllung möglich. Etwas einheimische Währung sollte man dabei haben und kann man unkompliziert am Automaten in jeder Stadt ziehen
Abseits der Formalitäten zeigte sich Marokko von seiner gastfreundlichen Seite. An Land begegneten uns offene, interessierte Menschen; von der Medina in Rabat bis zu den Marktständen in Agadir fühlten wir uns willkommen. Die Begegnungen wirkten echt, nicht aufgesetzt — oft geprägt von neugierigem Austausch und echter Hilfsbereitschaft.
Seglerisch bietet die Küste viel Abwechslung: ruhige Abschnitte wechseln mit anspruchsvolleren Passagen, Wind und Wellen können kräftig sein, aber es gibt auch geschützte Buchten zum Ankern. Beim Ankern unbedingt vorher eine Genehmigung per Funk einholen, hat bei uns problemlos gekappt.
Unser Fazit nach zwei Überführungstörns: Marokko ist vertrauenswürdig, sicher und gastfreundlich — ein Revier, das wir ohne Zögern wieder ansteuern. Die Kombination aus gutem Hafenservice, unkompliziertem Einklarieren (wenn man vorbereitet ist) und ehrlicher Gastlichkeit macht es zu einer echten Alternative für Törns im Nord-Ost-Atlantik, vor allem wenn man Risiken in anderen Revieren vermeiden möchte.
Wir kommen wieder — weil Segeln hier bodenständige Begegnungen, solide Abläufe und echte Eindrücke bringt. Und weil ein Revier, in dem man so offen empfangen wird, es wert ist, öfter besucht zu werden.
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