Wende und Halse beim Segeln sind die beiden Manöver, mit denen eine Yacht die Seite wechselt, auf der der Wind einfällt: bei der Wende geht der Bug durch den Wind, bei der Halse das Heck. Für beide Manöver gibt es feste Kommandos, und jeder an Bord hat dabei eine klare Aufgabe: am Ruder, am Vorschot oder an der Großschot.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Wende: Der Bug dreht durch den Wind, meist aus einem Kurs am Wind. Halse: Das Heck dreht durch den Wind, meist aus einem raumen Kurs.
- Der Wenderuf ist „Ree“: Mit ihm legt der Rudergänger das Ruder, nachdem die Crew auf „Klar zur Wende?“ mit „Ist klar“ geantwortet hat.
- Bei der Halse lauten die Kommandos „Klar zur Halse?“ – „Ist klar“ – „Hol dicht Großschot“ – „Rund achtern“. Die Großschot kommt vorher dicht, weil der Baum auf die andere Seite schlägt, und wird danach kontrolliert wieder gefiert.
- Eine ungewollte Halse heißt Patenthalse. Sie kann das Rigg beschädigen und Menschen verletzen, ein Bullenstander beugt vor.
- Bei viel Wind ersetzt die Q-Wende die Halse: ein großer Bogen über den Wind statt eines überschlagenden Baums.
Was ist der Unterschied zwischen Wende und Halse?
Beide Manöver bringen die Yacht auf den anderen Bug, also von Steuerbord- auf Backbordbug oder umgekehrt. Der Unterschied ist die Drehrichtung: Bei der Wende dreht das Boot mit dem Bug durch den Wind, bei der Halse mit dem Heck.
Die Wende fährst du in der Regel aus einem Kurs am Wind. Die Yacht luvt an, also dreht zum Wind hin, steht kurz mit dem Bug genau im Wind und fällt auf der anderen Seite wieder ab.
Die Halse fährst du aus einem raumen Kurs, also wenn der Wind schräg von hinten kommt. Die Yacht fällt ab, dreht also vom Wind weg, bis der Wind kurz genau von achtern kommt, und dreht dann mit dem Heck durch den Wind. In diesem Moment wechselt das Großsegel samt Baum von einer Seite auf die andere. Bei der Wende pendelt der Baum ruhig herüber, bei der Halse kann er mit viel Kraft überschlagen, wenn niemand ihn führt.
Welche Segel es an Bord gibt und wie sie heißen, erklärt der Beitrag über die verschiedenen Segel auf einem Segelboot. Luv ist die Seite, von der der Wind kommt, Lee die Seite, die vom Wind abgewandt ist. Weitere Begriffe findest du in unserem Segel-ABC. Schoten sind die Leinen, mit denen die Segel eingestellt werden.
Welche Kommandos gibt es bei Wende und Halse?
Die Kommandos gibt der Rudergänger, die Crew bestätigt. Die folgende Übersicht zeigt die üblichen deutschen Kommandos auf einer Fahrtenyacht.
| Kommando | Manöver | Was es bedeutet |
|---|---|---|
| „Klar zur Wende?“ | Wende | Frage an die Crew: Bitte die Stationen besetzen und alles vorbereiten. |
| „Ist klar“ | Wende und Halse | Antwort der Crew: Alle sind bereit. |
| „Ree“ | Wende | Das Ruder wird gelegt, der Bug dreht durch den Wind. |
| „Über die Fock“ | Wende und Halse | Das Vorsegel wird auf die neue Seite geholt. |
| „Klar zur Halse?“ | Halse | Frage an die Crew: Bitte die Stationen besetzen und alles vorbereiten. |
| „Hol dicht Großschot“ | Halse | Großsegel und Baum werden zur Mitte geholt. |
| „Rund achtern“ | Halse | Das Heck dreht durch den Wind, der Baum geht auf die andere Seite. |
| „Fier auf Großschot“ | Halse | Die Großschot wird auf dem neuen Bug kontrolliert gefiert. |
Was ist der Wenderuf beim Segeln?
Der Wenderuf beim Segeln ist „Ree“ (manchmal „Rhe“ geschrieben). Vorher fragt der Rudergänger „Klar zur Wende?“, die Crew antwortet „Ist klar“. Mit „Ree“ legt er das Ruder, der Bug geht durch den Wind. Danach folgt oft noch „Über die Fock“ oder „Über die Segel“, dann wird das Vorsegel auf die neue Seite geholt.
Was ruft man bei der Halse?
Bei der Halse fragt der Rudergänger „Klar zur Halse?“, die Crew antwortet „Ist klar“. Mit „Hol dicht Großschot“ wird der Baum zur Mitte geholt. „Rund achtern“ entspricht dem Wenderuf: Das Ruder wird gelegt, das Heck geht durch den Wind. Danach folgen „Fier auf Großschot“ und das Umholen des Vorsegels.
„Klar zur Wende?“ und „Klar zur Halse?“ sind Fragen, keine Startsignale: Antwortet niemand mit „Ist klar“, wird das Manöver nicht gefahren. Die Kommandos unterscheiden sich von Boot zu Boot leicht. Wer neu an Bord ist, geht die Abläufe am besten vor dem Ablegen einmal gemeinsam durch.
Wie läuft eine Wende auf einer Fahrtenyacht ab?
Eine Wende läuft in drei Schritten ab: Ankündigen und vorbereiten, mit „Ree“ das Ruder legen, auf der neuen Seite das Vorsegel dichtholen. An der Großschot gibt es auf einer Fahrtenyacht dabei meist nichts zu tun.
Vorbereiten nach „Klar zur Wende?“
Am Vorschot, also an den Schoten von Fock oder Genua, bereitest du zwei Dinge vor. Die Schot, die nach der Wende arbeiten wird, ist zurzeit die lose Schot auf der Luvseite. Sie legst du zwei- bis dreimal im Uhrzeigersinn um die Winsch und hältst die Winschkurbel bereit. Die Schot, die jetzt noch das Segel hält, nimmst du aus der Klemme oder von der Klampe und hältst sie auf der Winsch mit der Hand fest. So kannst du sie gleich mit einem Griff loswerfen. Erst wenn beides bereit ist, meldest du „Ist klar“.
Nach „Ree“
Der Rudergänger legt das Ruder, die Yacht luvt an. Das Vorsegel fängt an zu flattern, der Bug geht durch den Wind. Jetzt wirfst du die alte Schot los und achtest darauf, dass sie frei ausrauschen kann und sich nicht verhakt. Auf der anderen Seite holst du die neue Schot zügig von Hand dicht, solange das Segel noch wenig Druck hat. Den Rest holst du mit der Winschkurbel. Wer nichts zu tun hat, hält den Kopf unten, weil der Baum über das Cockpit schwenkt, und wechselt danach auf die neue hohe Seite.
Nach der Wende
Die Yacht fällt auf den neuen Am-Wind-Kurs ab. Ist das Vorsegel getrimmt, belegst du die Schot und räumst das lose Ende auf, damit beim nächsten Manöver nichts im Weg liegt.
Wie läuft eine Halse ab?
Bei der Halse fällt die Yacht langsam ab, bis der Wind fast genau von hinten kommt. Dann wird die Großschot dichtgeholt, mit „Rund achtern“ geht das Heck durch den Wind und die Großschot wird auf der neuen Seite kontrolliert wieder gefiert. Zum Schluss wird das Vorsegel umgeholt.
Vorbereiten nach „Klar zur Halse?“
Auf raumem Kurs steht der Baum weit draußen. Würde er von dort auf die andere Seite schlagen, hätte er einen langen Weg und viel Schwung. Deshalb holt die Crew an der Großschot nach „Hol dicht Großschot“ das Großsegel zur Mitte, während der Rudergänger den Kurs ruhig hält. Erst wenn der Baum mittschiffs steht, kommt „Rund achtern“.
Nach „Rund achtern“
Nach „Rund achtern“ geht der Baum auf die andere Seite. Jetzt fierst du die Großschot kontrolliert auf, also nicht einfach loslassen, sondern über die Winsch oder die Klemme laufen lassen, ohne dass sie durch die Hand rauscht. Der Rudergänger legt kurz Gegenruder, das sogenannte Stützruder, damit die Yacht nicht in den Wind dreht. Kopf, Hände und Beine haben in dieser Phase nichts im Bereich von Baum und Großschot zu suchen.
Nach der Halse
Das Vorsegel holst du bei der Halse erst über, wenn das Großsegel auf der neuen Seite steht. Vorher hältst du es etwas dichter, damit es sich beim Drehen nicht um das Vorstag wickelt. Danach wirfst du die alte Schot los und holst die neue dicht, wie bei der Wende.
Was ist eine Patenthalse und wie vermeidest du sie?
Eine Patenthalse ist eine ungewollte Halse: Das Heck geht durch den Wind, ohne dass jemand es vorbereitet hat, und der Baum schlägt mit voller Wucht auf die andere Seite. Das kann das Rigg beschädigen, die Yacht stark krängen lassen und Menschen am Kopf oder an den Beinen verletzen.
Meist passiert eine Patenthalse auf Vorwindkurs, wenn das Boot unbemerkt zu weit abfällt. Auslöser sind eine Welle, die das Heck versetzt, eine Drehung des Windes oder ein zu langes Stützruder nach einer gewollten Halse. Vorbeugen kannst du, indem der Rudergänger auf Vorwindkursen konzentriert steuert und nicht platt vor dem Wind fährt, sondern etwas höher. Für alle an Bord gilt: Auf raumem Kurs nicht im Schwenkbereich des Baums stehen oder sitzen.
Was ist ein Bullenstander?
Ein Bullenstander ist eine Leine, die den Baum auf raumen Kursen auf seiner Seite festhält, damit er bei einer Patenthalse nicht überschlagen kann. Er wird am Baum weit außen angeschlagen und an Deck weit vorn geführt. Wichtig für jede gewollte Halse: Vorher muss der Bullenstander gelöst werden, sonst kann der Baum nicht auf die andere Seite.
Nicht zu verwechseln ist er mit dem Baumniederholer. Der zieht den Baum nach unten und formt das Segel, hält ihn aber nicht seitlich fest.
Was ist eine Q-Wende?
Eine Q-Wende ersetzt die Halse durch eine Wende. Statt das Heck durch den Wind zu drehen, luvt die Yacht von einem raumen Kurs an, wendet und fällt auf der neuen Seite wieder ab.
Gefahren wird sie vor allem bei viel Wind, wenn eine Halse zu riskant wäre. Beim Anluven werden die Schoten dichtgeholt, der Baum steht dann nahe der Mitte und geht bei der Wende ruhig auf die andere Seite. Ein unkontrolliertes Überschlagen wie bei einer Halse gibt es dabei nicht. Der Preis ist ein großer Bogen und mehr Zeit.
Welche Fehler passieren bei Wende und Halse am häufigsten?
Typische Fehler bei Wende und Halse sind diese:
- „Ist klar“ melden, obwohl die neue Schot noch nicht auf der Winsch liegt.
- Die alte Vorschot zu früh loswerfen, bevor der Bug durch den Wind ist. Dann verliert die Yacht Fahrt und bleibt mit dem Bug im Wind stehen.
- Die alte Vorschot zu spät loswerfen. Dann steht das Vorsegel back, also auf der falschen Seite, und drückt den Bug herum.
- Bei der Halse die Großschot nicht dichtholen oder nach „Rund achtern“ einfach loslassen.
- Zu kräftiges Ruderlegen bei der Halse. Die Yacht krängt stark und schießt in den Wind.
Hilfreich ist, die Manöver bei wenig Wind mehrmals hintereinander zu fahren, bis jeder seine Handgriffe kennt.
Wo du Wende und Halse in der Praxis üben kannst
Wende und Halse lernst du am besten an Bord, mit einem Skipper, der die Abläufe erklärt und dich an allen Stationen arbeiten lässt. Auf Törnfinder findest du Ausbildungstörns, auf denen Manöver bewusst geübt werden, und Skippertrainings für alle, die die Kommandos selbst geben wollen. Für die Vorbereitung zu Hause stellt das Magazin außerdem ein Buch mit Basiswissen für Mitsegler vor.
Häufige Fragen
Ist die Halse gefährlicher als die Wende?
Ja, weil der Baum bei der Halse über die ganze Breite des Bootes schwenkt und bei Wind viel Kraft hat. Mit dichtgeholter Großschot und klaren Kommandos ist sie aber ein normales Manöver.
Was ist der Unterschied zwischen Halse und Patenthalse?
Die Halse ist ein geplantes Manöver mit Ankündigung und geführtem Baum. Die Patenthalse passiert ungewollt, ohne Vorbereitung, und der Baum schlägt unkontrolliert über.
Muss ich als Mitsegler die Kommandos kennen?
Ja, zumindest die wichtigsten: „Klar zur Wende?“, „Ree“, „Klar zur Halse?“ und „Rund achtern“. Dann weißt du bei jedem Manöver, was passiert und wann du an der Schot gebraucht wirst.





